Chronik

 

 

Vor 50 Jahren wurde der TT-Kreis Untertaunus gegründet

Von Wilhelm Schön nach Aufzeichnungen und Erinnerungen von Berthold Barbehön.

Gründung im Idsteiner Gasthaus "Zum Taunus"

Für den bis 1994 selbstständigen Tischtenniskreis Untertaunus verfasste der Heftricher Berthold Barbehön eine aufschlussreiche Chronik, die er auszugsweise auch dem am 25. Juni 2004 in Ramschied stattfindenden TT-Kreistag vorlegt. Anlass für die Fleißarbeit war für den heutigen Ehrenvorsitzenden des TT-Kreises die Erinnerung an die vor 50 Jahren im Idsteiner Gasthaus “Zum Taunus” erfolgte Gründung des TT-Kreises, in dem er als Spieler, Klassenleiter und zwei Jahrzehnte lang als Kreiswart verantwortungsbewusst mitwirkte und mitgestaltete.

Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre wurde im Untertaunus bereits Tischtennis gespielt. In Wörsdorf, Heftrich, Niederems, Walsdorf, Oberjosbach und Oberseelbach trafen sich Akteure an den damals nicht immer grünen Platten zum Kräftemessen, das mehr oder weniger eine Freizeitgestaltung war. Ältere hatten sich ihre Fertigkeiten in Lazaretten und Soldatenheimen erworben, Jüngere gesellten sich bald hinzu. Oft waren es aktive Fußballer, die auch beim Tischtennis ihr Ballgefühl bewiesen. Immerhin trugen Bermbach, Niederems, Walsdorf und Wörsdorf 1952 ein Turnier mit Sechsermannschaften um einen Wanderpokal aus, und der TTC Bad Schwalbach und der TV Wehen nahmen bereits an einer Punktrunde in Wiesbaden teil.

1954 war die Zeit reif. Vetreter des TTC Bad Schwalbach, der TSG und des TV Idstein, des TV Bermbach, des SV Heftrich, des TV Michelbach, des TV Wehen und der TSG Wörsdorf trafen sich im Juni zur Gründungsversammlung in der Hexenturmstadt. Aus den nur spärlich vorhanden Unterlagen kann nicht abgeleitet werden, wer Kreiswart wurde und welche Vorstandsposten überhaupt besetzt wurden. Die erste Meisterschaftsrunde wurde unter Klassenleiter Kohlborn aus Bad Schwalbach gestartet. Das Team aus der Kreisstadt sicherte sich vor Wehen und Wörsdorf den ersten Titel.

Spiele unter abenteuerlichen Bedingungen

Die Mannschaften aus den beiden Untertaunusstädten Bad Schwalbach und Idstein wurden beneidet, denn sie verfügten in ihren Turnhallen schon über recht gute Spielverhältnisse. Auf den Dörfern dagegen wurde in den ersten Jahren unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen gespielt. In im Krieg verwahrlosten Turnhallen und Tanzsälen fanden bei oft völlig unzureichender Beleuchtung Training und Punktspiele statt. Der SV Heftrich trug seine Spiele auf dem Speicher der Spar- und Darlehnskasse aus, die TSG Wörsdorf empfing ihre Gegner zeitweilig auf einer Poststelle. In Walsdorf begann man in einer Autogarage, wo auf der Straßenseite Abwehrspieler die dicht vorbeiführende Fahrbahn hin und wieder einbeziehen mussten. Bei der TG Oberjosbach wurden die Platten hintereinander aufgestellt. Man kam sich nicht selten ins Gehege, und geriet der Ball außer Kontrolle, so kroch man auf der Suche hinter dem Ölofen zwischen den dort gelagerten Stühlen umher. Die Oberseelbacher hatten den Tanzsaal der Gastwirtschaft sonntags von 10 – 12 Uhr gemietet. Im Spiel gegen Wörsdorf gebot der Gastwirt beim Stande von 6:6 um 12.05 Uhr Feierabend. Von Umkleideräumen oder gar Duschen, für die heutige Spielergeneration eine Selbstverständlichkeit, konnten die Alten vor 50 Jahren nur träumen. Sie sind trotzdem am Ball geblieben, und einige von ihnen sind sogar heute noch mit von der Partie.

Die Spiele wurden samstags und sonntags ausgetragen. Verlegungen erfolgten ganz selten. Kaum ein Aktiver verfügte über ein Telefon, und Gespräche während der Arbeitszeit waren fast unvorstellbar. 1956 wurde Otto Kopp aus Bermbach zum Kreisvorsitzenden gewählt. Die Nachfolge trat der Wallbacher Lehrer Wilhelm Wöll zwei Jahre später an. Er bemühte sich besonders um die Verbeserung der Jugendarbeit, führte 1959 zur Überbrückung der Sommerpause die Landratspokalrunde ein und engagierte sich für die gesellschaftliche Anerkennung des TT-Sports. Unvergessen sind die von ihm ausgerichteten und stets gut besuchten “Bunten Abende der Tischtennisvereine”. Wilhelm Wöll erlag 1963 einem Krebsleiden. Otto Engler aus Wallbach übernahm für eine Übergangszeit die Leitung des Kreises. Ihm folgte der Bad Schwalbacher Karl Ludwig für sieben Jahre. Ab 1972 stand Berthold Barbehön dann 20 Jahre lang an der Spitze des Kreises.

Protest: "Wir konnten nicht trainieren!"

Der TT-Kreis Untertaunus zählte inzwischen 20 Vereine, die 64 Mannschaften stellten. Berthold Barbehön erlebte und gestaltete eine goldene Zeit des TT-Sportes im Untertaunus. Inzwischen stand in fast jedem Dorf eine Gemeindehalle, ein Dorfgemeinschafts- oder ein Bürgerhaus. Der Sport profitierte davon, zumal die Menschen über mehr Freizeit verfügten. Bis 1990 verdoppelte sich die Zahl der TT-Vereine, die Zahl der Mannschaften verdreifachte sich sogar. 1976 spielten erstmals über 100 Mannschaften, 1980 wurden 129, für die Saison 1989/90 gar 191 gemeldet. Mit der Zahl der Mannschaften und Spieler wuchs natürlich auch die Verwaltungsarbeit. 1990 waren von den Klassenleitern 1100 Termine festzulegen. Barbehön ist heute noch dankbar für seine zuverlässigen Mitarbeiter. Meist waren es aktive Spieler, die wie Bruno Bodenheimer (Breithardt), Walter Wissig (Walsdorf), Manfred Kilian (Wingsbach), Walter Schmitt (Michelbach), Horst Grohmann (Heftrich) ihre Ämter über einen längeren Zeitraum versahen. Berthold Barbehön ist heute noch froh darüber, dass Meisterschafts- und Pokalspiele trotz aller Rivalität meist recht harmonisch ausgetragen wurden und die Vereine den Rechtsausschuss oft über Jahre nicht in Anspruch nahmen. Er schmunzelt, wenn er sich daran erinnert, dass nach zwei Jugend-Entscheidungsspielen, die Heftrich gegen Wallbach jeweils für sich entschieden hatte, die Unterlegenen auf dem Spielbogen Protest anmeldeten. Begründung: Wir konnten nicht trainieren!

Der Ehrenvorsitzende hat nicht vergessen, dass die Untertaunusvereine in den Anfangsjahren mit den Konkurrenten aus den Nachbarkreisen kaum mitzuhalten vermochten. In den ersten 10 Jahren konnten sich achtmal die Kreismeister in der Bezirksklasse nicht halten und stiegen im folgenden Jahr wieder ab. Das änderte sich im Laufe der Zeit, und heute ist es eine Selbstverständlichkeit, wenn Mannschaften aus dem alten Untertaunus in höheren Klassen auf Bezirks- und Verbandsebene eine gute Figur machen.

Barbehön hat zahlreiche Tabellen erstellt und Erfolge von Vereinen und Spielern aufgelistet. Seine Chronik ist für die TT-Sportler aus dem Untertaunus, die sich 1994, als sich andere Sportverbände noch zierten, mit dem Kreis Rheingau vereinigten, eine interessante Lektüre, die es wert wäre gedruckt zu werden und die nach und nach auf der Internet-Seite des TT-Kreises Rheingau-Taunus ihren Platz finden wird.

1994 - Zusammenschluss der Altkreise Rheingau und Untertaunus

Der TT-Kreis Rheingau-Taunus kann nach dem Zusammenschluss der beiden Altkreise Rheingau und Untertaunus im Jahre 1994 nun auch schon auf eine zehnjährige Geschichte zurück blicken. Es waren 10 Jahre der Harmonie, des Zusammenwachsens und der personellen Kontinuität. Die Entwicklung der Zahl der Mannschaften und Vereine beweist nachträglich, dass 1994 von den zuständigen Gremien eine weise Entscheidung getroffen worden war. Die beiden ländlich geprägten Altkreise wären alleine gar nicht mehr lebensfähig gewesen. 147 Mannschaften starteten im Gesamtkreis in die gerade abgeschlossene Saison 2003/2004, gegenüber der Rekordzahl 191 allein im Altkreis Untertaunus im Jahre 1990 doch ein erheblicher Rückgang. Diese Zahl wird sich in der bevorstehenden Spielzeit 2004/2005 nicht wesentlich ändern.

 

 

 

Die Anfänge im Spiegel von Zahlen und Namen

 

 

 

Pokalrunden bilden den Auftakt:

1952–1954:

Mannschaftsturnier mit Sechsermannschaften,

einfache Runde mit 6 Einzeln, bei 3:3 entscheidet ein Doppel.

Teilnehmer: Bermbach,  Niederems,  Walsdorf,  Wörsdorf

 

Die Sieger:

1952

TSG Wörsdorf

 

1953

TSG Wörsdorf

 

1954

TSG Wörsdorf

Rohleder, Krieger, Urban, Schmidt, Fiebig, Reinsch

 

1954/55 - Erste Meisterschaftsrunde mit Sechsermannschaften:

Die Abschlusstabelle:

1. TTC Bad Schwalbach

21:03

R. Stumm, Rupp, Debusmann, G. Stumm, Kohlborn

2. TV Wehen

19:05

Greffrath, Müller, Hanika, Simon, Bache, Kraft, Baum

3. TSG Wörsdorf

18:06

Rohleder, Krieger, Urban, Schmidt, Fiebig, Reinsch

4. TV Michelbach

10:14

Selinger, W. Hoffmann, Bender, Oehl, Hoffmann, Schön

5. TSG Idstein

09:15

Kussin, Ostrowski, Nagel, Link, Baumann, Pokoyski

6. SV Heftrich

03:21

Fey, B. Barbehön, E. Barbehön, Hartmann,  Mohr, Schuffenhauer

7. TV Bermbach

02:22

Forst, Trömer, O. Kopp, Hönge, Guckes, Sprenger

 

1955/56 - Zweite Meisterschaftsrunde mit Sechsermannschaften:

Bad Schwalbach, verstärkt durch 3 Wehener Spieler (Greffrath, Simon, Baum) ist in die Bezirksklasse Wiesb./Rhg. aufgestiegen und meldet für die Kreisklasse eine zweite Mannschaft. Wehen und die TSG Idstein ziehen ihre Mannschaften zurück. Der TV Idstein ist aus der Bezirksklasse abgestiegen, will wieder Meister werden, verliert in der Rückrunde aber gegen Wörsdorf und zieht dann zurück, der SV Walsdorf kommt neu hinzu. Bad Schwalbach 2 wird überaschend Meister.Die Rückrunde bleibt auch durch den ungewöhnlich harten Winter in Erinnerung. Bis zu 30 Grad minus sinkt die Temperatur, der Rhein ist zugefroren, im Frühjahr wird bei Lorch die Sprengung der Eisdecke vorbereitet.

 

Die Abschlusstabelle:

1. TTC Bad Schwalbach

16:04

Baum, Grimm, Heuser, Schönberger, Degenhardt, Schreiber

2. TSG Wörsdorf

15:05

 

3. TV Michelbach

12:08

 

4. TV Bermbach

11:09

 

5. SV Heftrich

06:14

 

6. SV Walsdorf

00:20

Sturm, Schmidt, Baum, Ludwig, Schwarz, Scheid

 

Viele Namen sind heute noch bekannt, einige Sportkameraden sind sogar heute noch aktiv. Zu den Aktiven der ersten Jahre gehören auch Ewald Klomann aus Oberjosbach und Wilhelm Schön aus Oberseelbach, die wohl schon 1955 in einer B-Klasse für Vierermannschaften spielten, von der aber keine Aufzeichnungen mehr vorliegen.